Gefühlsupdate

Ich sitze zuhause auf meinem Bett, bin aufgewühlt. Ich bin erschöpft, aber inspiriert und kann mich nicht entspannen, will nicht runterkommen. Mein Herz klopft ganz schnell, obwohl ich einfach nur schlafen will.

Heute ist mir etwas seltsames passiert. Für eine Artikel-Recherche bin ich heute in eine Flüchtlingsunterkunft gefahren. Ich habe mich für ein Interview mit einem Ehepaar getroffen. Beide kommen aus Syrien, sprechen kein Deutsch.

Auf dem Weg dorthin habe ich mir Gedanken gemacht. Was haben sie durchgemacht? Wie denken sie darüber, dass ich mit ihnen sprechen will, dass ich sie befragen werde? Irgendwie war in meinem Kopf ein ganz anderes Bild. Verbittert, traurig und ängstlich. Als ich in das Heim kam, wurde ich durch mehrere kleine Gänge in den Aufenthaltsraum geführt. Nach einigen Minuten warten, kamen die beiden auf die Minute pünktlich in das Zimmer. Ich war überrascht. Unglaublich positive Schwingungen erfüllten den Raum. Die beiden kamen auf mich zu, lächelten und gaben mir die Hand. Ich wusste, die Chemie stimmt. Sie hatte große, braune Augen. Ein wacher, ruhiger Blick. In ihren Händen hielt sie ein zerknülltes Taschentuch, dass sie ruhig zwischen ihren Fingern hin-und herbewegte. Ihr Mann, nicht viel größer als sie, lächelte ihr zu und wandte sich dann an mich…

Ich hatte mir zuvor Fragen aufgeschrieben. Alles, was ich fragen wollte. Bloß nichts vergessen. Eine Übersetzerin vermittelte zwischen uns. Am Anfang hatte ich Angst, das Gespräch würde nur stockend in Gang kommen. Unbegründet. Die Zeit, die ich eingeplant hatte, reichte nicht aus. Nicht annähernd. Ich hätte stundenlang so da sitzen und ihren Stimmen lauschen können. Dieser Moment, diese Minuten, dieses Gespräch war einer meiner intensivsten Momente in meinem ganzen Leben.

Erst wollte ich meine Fragen nicht stellen, hatte Angst mich blöd zu fühlen, nachzufragen. Die beiden haben alles verloren. Ihre Familie, ihren Alltag, ihre Träume…das alles mussten sie hinter sich lassen, Geld borgen, sich durch die schlimmsten Hürden ihres Lebens kämpfen und dann in einer Unterkunft unterkommen, in der die Zukunft genauso ungewiss ist, wie noch vor ein paar Minuten, Stunden, Tagen. Und obwohl sie all das erleben mussten, gaben sie mir Mut ehrlich zu sein. Offen zu komunizieren, sie willkommen zu heißen.

Als ich heute zurückgefahren bin, musste ich viel nachdenken. Über das was noch kommt, über das was geschehen ist.

Es sind dieses Mal keine Menschen, die in Luxus leben, die mich inspirieren. Nicht die, die sich an irgend einem schönen Strand mit sündhaft teuren Cocktails und lauter Musik die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Es sind Menschen, die nichts haben, die die Hoffnung nicht aufgeben. Mit einem Lächeln stehen sie in der Tür eines fremden Landes. Glücklich, dass sie sich haben. Mutig, alles hinter sich zu lassen. Hoffnungsvoll, von vorne anzufangen.

Ich frage mich, wie Menschen, die kaum eine Perspektive haben, glücklicher erscheinen als wir?

Wie kann es sein, dass wir, verwöhnt von Konsum, Fressen und noch mehr Konsum uns wirklich darüber ärgern, dass wir zu wenig Follower auf Instagram, Kleidung im Schrank und zu wenig Urlaub im Jahr haben?

Auch wenn wir ein Leben in Luxus führen, uns ein geiles Leben leisten und nicht auf unseren Lebensstil verzichten wollen, sollten wir zumindest unsere Stabilität und das was wir haben schätzen und uns daran erinnern, dass man für Glück kein Geld braucht.

 

Genau das versuche ich mir jetzt jeden Tag zu sagen. Jeden Tag…

 

 

blumenbla

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