Studium abbrechen- versaue ich mir die Zukunft oder gehe ich den richtigen Schritt?

„Ich will was anderes machen!“

Dieser Satz wird in unserer heutigen Leistungsgesellschaft nicht gerne gehört. Das Abitur schaffen, den Bachelor absolvieren, in Eiltempo den Master ranhängen und dann steil Karriere machen. Das wird heute von uns erwartet. Wer sein Studium abbricht oder nochmal ganz von vorne anfangen will, stößt oft auf Unverständnis. Und doch entschließen sich immer mehr junge Leute dazu und erfüllen sich last Minute ihre Träume.  Aus Studien geht hervor, dass mindestens jeder vierte Bachelor-Student sein Studium ohne Abschluss beendet. In den sogenannten Mint-Fächern, das sind Mathematik, Technik, Ingenieur- und Naturwissenschaften,  ist die Abbrecher-Quote besonders hoch.

Der Studierende kann aus verschiedenen Gründen sein Studium hinwerfen. Dazu können finanzielle oder familiäre Probleme, mangelnde Motivation, berufliche Neuausrichtung, Interessenverlagerung oder das Nichtbestehen von Prüfungsleistungen zählen. Die Entscheidung, ob ein Abbruch sinnvoll ist oder nicht, hängt vom Einzelfall ab und darf auf keinen Fall verallgemeinert werden.

Auch ich hatte vor 2 Jahren mit der Entscheidung zu kämpfen, ob ich weitermachen soll oder nicht. Eigentlich stand für mich schon längst fest: ich will nicht weitermachen. Aber aufhören konnte ich auch nicht. Meine Angst, dass ich bei Personalern deshalb immer schlechter abschneiden würde als meine Konkurrenten, lähmte mich. Auf die Idee, dass mich ein Wechsel weiterbringen und besser qualifizieren würde, kam ich gar nicht.

Aber alles schön der Reihe nach…

Nach meinem Abitur, dass ich 2010 in der Tasche hatte, war ich einfach nur froh, das Kapitel Schule endlich abschliessen zu können.

Im Gegensatz zu vielen anderen empfand ich die Schulzeit nicht als die geilste Zeit meines Lebens. Ich wollte raus aus der Schule und rein ins Leben, auf eigenen Beinen stehen, frei sein und das tun was ich schon immer wollte.

Nur was war das eigentlich? Ich war unsicher. Eigentlich wollte ich Journalismus studieren. Die Verlage änderten jedoch ihre Strukturen und der Journalismus- Bereich stand im großen Wandel. Damit war mir die Branche zu unsicher.

Also entschied ich mich dafür nicht unüberlegt irgendeine Alternative zu wählen. Da die meisten Studiengänge im Wintersemester starten, musste ich ein Jahr warten, um mich wieder bewerben zu können. Das Jahr zog sich hin wie Kaugummi. Die Zeit wollte nicht verfliegen. Ich saß nachts vor meinem PC und klickte mich durch alle Studiengänge Mir fiel die Decke auf den Kopf und ich war genervt. Mir fehlte es, mich anzustrengen und gefordert zu werden. Und als das Jahr fast vorüber war und die ersten Unis die Bewerbungsverfahren freischalteten, stand fest: ich studiere Psychologie oder Jura. Tjaaa, für Psychologie reichte mein Numerus Clausus nicht aus. Also verabschiedete ich mich davon, durch Wartesemester irgendwann mal, vielleicht im Jahre 2050, Psychologie anfangen zu können. Von meinen Interessen her kam nur noch Jura in Frage. Also entschied ich mich für die Europa Uni in Frankfurt Oder. Die falsche Wahl. Ich studierte zwei Jahre lang und doch ließ mich der Gedanke an den Journalismus nicht los. Aber wirklich aufhören und in eine unsichere Branche wechseln? Ich war doch schon so weit gekommen…Was würden wohl die anderen denken?  Mein Kopf rauschte und doch fasste ich nach einiger Recherche und Hospitanz in Journalismus-Vorlesungen einen Entschluss: ich höre auf. Ich würde Journalismus studieren. Also musste ich nur noch meinen Eltern meinen Entschluss beichten. Nach ausführlichen Gesprächen unterstützten sie mich mit der Bedingung, dass ich es ernst meinte.

Und heute, 2 Jahre später, weiß ich, dass es die richtige Entscheidung war. Ich habe meinen Charakter besser kennengelernt und meine Themenschwerpunkte haben sich herauskristallisiert. Kritische Situationen hauen mich nicht mehr um. Ich meistere Krisen souveräner. Und auch bei meinen Kommillitonen, die schon ein Studium abgebrochen haben, kann ich diese Reife beobachten. Naivität ist Lebenserfahrung gewichen und die Ziele wurden konkreter.  Aber thematisch konnte ich viel aus dem Jura-Studium mitnehmen, was mir heute dabei hilft unser Rechtssystem zu verstehen und Entscheidungen nachzuvollziehen, die ich früher nicht verstanden hätte. Außerdem bringen viele Studiengänge eigene Argumentationsstrukturen mit sich und das Erlernen der verschiedenen Herangehensweisen kann die Komplexität unseres Denkens erhöhen. Auch deshalb ist ein Studiumwechsel horizonterweiternd.

Ein Studium aufzugeben, muss nicht zwangsläufig schlecht sein. Um es trotzdem weit zu bringen, müssen die Studierenden ehrlich zu sich selbst sein und sich über gute Alternativen informieren. Sich selbst anzulügen nützt nichts. Wer schlichtweg zu faul für das Studium ist, dem ist mit einem Wechsel auch nicht geholfen. Die Probleme werden garantiert im nächsten Studium wieder auftauchen. Gute Chancen haben diejenigen, die eine Ausbildung anfangen wollen, denn Studienabbrecher sind bei vielen Unternehmen beliebte Azubis. Je schneller sich entschieden wird,  desto weniger Zeit geht verloren.Und auch ehrliche, konstruktive Kritik der Familie kann helfen sich weiter zu entwickeln und die Ziele zu erreichen.

Was für ein Gefühl ist besser, als am Ende des Tages glücklich zu sein? Wie gut fühlt es sich an, Spaß an der Arbeit zu haben und zufrieden nach Hause zu kommen? Was sind zwei Jahre gegen eine glückliche Zukunft?

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Morgen fange ich an…

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